Hallo Zusammen,
also es war ein riesen Spaß!

Auch wenn manches anders lief als geplant.
Am Freitag bin ich auf eigener Achse angereist und habe 10km vor dem Startpunkt in Eisenberg ein Gewitter abgewartet, welches genau über die Froschmühle zog. Dabei habe ich die Nachricht erhalten das Norbert und ich nicht wie geplant zusammen starten können, da er die Anreise aus Gründen nicht realisieren konnte.

Also bin ich am Samstagmorgen mit vollem Tank, Kämpferherz und viel guter Laune allein gestartet.
Die Etappe zur ersten Wertungsprüfung unterhalb der Leuchtenburg führte dann auch gleich durch mein altes Revier, in dem ich ab 2002 mit meiner ersten Duke, damals noch mit 34 PS, das Fahren gelernt habe.
Danach ging es weiter nach Neuhaus am Rennweg. Calimoto hat mich dabei an vielen Orten aus meiner Kindheit, Jugend und den frühen Erwachsenenjahren vorbei geführt, und so hatte ich neben dem Kurvenspaß auch toller Erinnerungen.
Von Neuhaus ging es dann weiter nach Wachenbrunn, und was soll ich sagen, auf 2 von bisher 3 Etappen war ich mit Umleitungen konfrontiert.

Gerade nachdem ich die schweißtreibende Fahrübung in Wachenbrunn mit einer Pause im Schatten abrundete rief Norbert an und fragte wann ich denn in Marburg sein würde, und ich hatte keinen Plan! Wir hatten ja im Vorfeld nicht großartig vorgeplant. Die Idee war es nach dem Zwischenziel einfach das nächste Ziel in Calimoto einzugeben und dann einfach der Route zu folgen...
Der Weg nach Marburg führte über die Fuldaquelle auf der Wasserkuppe, wo ich zuletzt mit 19 oder 20 war, und zum Hoherodskopf. Dort war ich das erst und letzte Mal 2012 zum 10 jährigen, und ich glaube letzten, Dukecity-Treffen in Schotten war.
Von dort ging es dann nach Marburg in den deutschen Sprachatlas. Nachdem ich wegen einer Baustelle und geänderter Verkehrsführung eine kleine extra Runde gedreht habe stand dann wie besprochen Norbert auf der Gasse und hat alle 57 Teilnehmer in den Parkplatz ein- und ausgeleitet.
Was habe ich mich gefreut Norbert zu sehen!

Der Arme stand da schon 2h30' in der Sonne und tat fleißig wofür er spontan eingespannt worden war.

Aber groß war die Freude ab hier die restliche Strecke und vor allem die Nacht gemeinsam zu bestreiten.
Im Sprachatlas war eine ganz besondere "Prüfung" zu absolvieren: deutsche Dialekte verschiedenen Regionen zuordnen. Lustig und spannend.
Von Marburg aus ging es dann gemeinsam zum Berg Sackpfeife, von dort zur Möhneseestaumauer und dann weiter zum Schloss in Nordkirchen. Abschnitte die ich deshalb genießen konnte da Norbert auf diesen Etappen die Navigation übernahm. So konnte ich mich auf das Fahren und die Landschaften konzentrieren.
Gegen 21:50 erreichten wir dann Dülmen. Nach einer weiteren Fahrprüfung nutzen wir die feste Pause von 90 Minuten für Pizza und ganz viel Benzingespräche, schließlich haben wir uns seit 10 Jahren nicht persönlich gesehen. Und in der Zeit ist ja bei uns beiden sehr viel passiert.
Von Dülmen ging es dann um 23:20 weiter nach Ahlen zur Zeche Westfalen. Das war die erste der Nachtetappen, die wir dank LED-Scheinwerfern entspannt und mit Weitsicht absolvieren konnten.
Von Ahlen ging es nach Bad Arolsen. Auf der Suche nach einer Tankstelle haben wir im platten Land noch eine ungeplante 8 bei Lippstadt gefahren, aber egal, denn nachdem wir in die Berge bei Brilon gekommen waren hat uns Calimoto auf einen Abschnitt geführt der uns fettes Grinsen unter die Helme zauberte.
Leere Straßen, helle Scheinwerfer und unendliches Kurvengeschlängel, perfekt für die Dukes. Für mich das Highlight der ganzen Strecke.
In Bad Arolsen haben wir dann noch einen Solo-Mitstreiter mit einer 650er V-Strom in unseren Kreis aufgenommen und sind in die dritte Nachtetappe gestartet. Hier hatte Norbert wieder die Navigation und ich konnte mich, neben den langen Bögen der Strecke, an dem wunderschön gestalteten Heck der Duke erfreuen. Man sieht sein eigenes Heck ja ehr selten wenn die Duke standesgemäß bewegt wird, und noch viel seltener in der Nacht. Herrlich!
Der Mitstreiter auf der Suzuki musste sich auf dieser Etappe ganz schön ins Zeug legen um dran zu bleiben, aber wir erreichten gemeinsam Hann. Münden, wo sich Werra und Fulda zur Weser vereinen. Erst dort realisierten Norbert und ich das es "nur" eine 650er ist. Mit der Erkenntnis, einem Kaffee und einem vollen Tank haben wir dann die nächste Etappe zu dritt und mit etwas weniger Gas angegangen um gemeinsam das nächste Ziel, diesmal per Koordinaten, in Dingelstädt anzufahren.
Auf dieser Etappe bekam das schöne Heck der Duke Konkurrenz von den ersten Sonnenstrahlen, die ab 3 am Himmel zu sehen waren. Gleichzeitig stand der Mond als dünne Sichel flach und weit im Osten, was es zu einem surreal schönen Bild gemacht hat.
Von Dingelstädt aus haben wir 3 weitere GPS-Koordinaten angefahren, deren Werte man sich aus Infos an den vorherigen Stationen berechnen musste. Gefühlt sind wir dabei nicht so richtig voran gekommen, alle drei Fahrer hatten auch ein "Morgentief", die aufziehen Morgenfeuchtigkeit und -kälte und die Fahrbahnqualität taten ihr übriges die (Fahr-) Freude in Grenzen zu halten. Obwohl Norbert in einer Etappe einen echten Lauf hatte. Aber in jedem Abschnitt hatte jemand anderes die beste Laune und übernahm entsprechend die Führung.
Unterwegs begegneten uns in den Abschnitten insgesamt 4 Rehe, mindestens ein Hase und ein mit Heranwachsenden vollbesetzter Polo der in Schlangenlinie den Weg von der Disco nach Hause suchte. Außerdem krachte ein armer Vogel aufgeschreckt gegen meine Schulter. Ich hoffe er hat sich davon erholt.
Die letzte GPS-Koordinate führte uns auf den Kyffhäuser wo uns noch etwas Matheknobelei als Wertungsprüfung erwartete.
Den Kyffhäuser haben wir dann über Bad Frankenhause in Richtung Laucha an der Unstrut verlassen. Noch im Kurvengeschlängel der Abfahrt zeigte sich das es die richtige Entscheidung war den dritten Mann nicht alleine fahren zu lassen, denn Müdigkeit, Streckenunkenntnis und mangelnde Fahrtechnik führten zu einer sehr brenzligen Situation. Es war arg knapp, aber es ist gut gegangen.
In Laucha war es dann, entsprechend dem durchschnittlichen Straßenzustand in dieser Region, die Aufgabe die Längen von zwei Pflasterstraßenabschnitten aufzusummieren. Und während ich mich um 500m vermessen habe hat Norbert die letzte Etappe zurück zur Froschmühle ins Navi eingegeben.
So sind wir dann um 09:45 knapp vor Zielschluss und als letzte Gruppe wieder wohlbehalten angekommen

.
Andere Teilnehmer lagen da schon lange im Bett.
Nach der letzten Wertungsprüfung nutzen wir die Zeit bis zur Siegerehrung und Ergebnisbekanntgabe für den Austausch mit den Anderen und zur Nahrungs-& Flüssigkeitsaufnahme.
Norbert nahm dann seine Heimfahrt in Angriff, ich musste nicht mehr so weit und bin zu meiner Schwiegerfamilie gefahren wo mich eine eigene Dusche und ein Bett im eigenen Zimmer erwartet haben.

Meine Rückreise habe ich dann auf den Montagmorgen gelegt.
Und für die Zahlenfixierten unter euch:
- 1168 Kilometer von Start zu Ziel, davon genau 0 Kilometer Autobahn
- Inkl. An- und Abreise zur Veranstaltung werden es ca. 1900 km sein
- Start war für mich um 09:34 Uhr, das Ziel haben wir um 09:45 Uhr am Folgetag erreicht (und damit die Zeitvorgabe nicht geschafft)
- 6 mal habe ich getankt
- In der Wertung habe ich Platz 49 von 57
Da Norbert erst ab Marburg und ohne Fahrerkarte mitgefahren ist gibt es für ihn leider keine Wertung.
Und an der Duke ist genau null Komma nix kaputt gegangen. Mit der aufgepolsterten Sitzbank, der Lenkererhöhung und den LED-Scheinwerfern ist die Duke auch gut für solche Touren ausgerüstet. Einzig meine Finger und Unterarme sind von der Veranstaltung deutlich ermüdet, aber das wäre mir wohl auf einem anderen Motorrad genauso gegangen.
Es war ein riesen Spaß, und obwohl ich die Strecke vorher grob kannte habe ich erst am Montag danach realisiert das Dülmen nur 50km vor der Grenze zu den Niederlanden liegt. Wow!

Mit Norbert hatte ich genau den richtigen Fahrpartner



, auch wenn wir auf den späteren Etappen auf den dritten Mann Rücksicht nehmen mussten.
Und auch wenn wir die letzten im Ziel waren war die Entscheidung Calimoto "ohne Autobahn" die Navigation übernehmen zu lassen die richtige. Sicher hätte man die ein oder andere Etappe optimieren können, und besonders in der Nacht wäre die Autobahn eine schnellere Alternative gewesen. Aber das wollten wir uns und den Dukes nicht antun, und der Spaß im Abschnitt bei Brilon und vielen anderen Bereichen wäre uns auch verloren gegangen.
Das erklärte, gemeinsame Ziel war ankommen und Spaß haben. Und beides haben wir erreicht.
Fazit: Ein Abenteuer das mir noch lange Freude bereiten wird!




Anbei noch ein paar Impressionen.
PS: Ich hasse Baustellen... Besonders die ohne ausgeschilderte Umleitung. Wir hatten auf ca 12 von 17 Etappen Baustellen mit Vollsperrungen...



